Ursachen der Fibromyalgie : Welchen Grund haben die Schmerzen

Welchen Grund haben die Schmerzen

Eine alleinige Ursache für das Fibromyalgiesyndrom gibt es nicht – zumindest hat man bislang keine gefunden. Stattdessen geht die Medizin von mehreren Faktoren aus, die zusammenspielen und so zu einem Fibromyalgiesyndrom führen.

Junge Frau verzweifelt in einer Stresssituation am Arbeitspaltz | Bild: colourbox.com

Gehäuftes Auftreten in Familien

Das Fibromyalgiesyndrom tritt gehäuft in Familien auf. Inwieweit es vererbbar ist, ist bislang allerdings nicht bekannt. Ein Fibromyalgie-Gen hat man bis dato jedenfalls nicht gefunden. Möglicherweise steckt dahinter auch ein in der Familie “gelerntes” Verhaltensmuster.

“Auch Lernmechanismen können Risikofaktoren für die Chronifizierung, also für ein vermehrtes Leiden, sein. Zum Beispiel, dass man nur dann Aufmerksamkeit bekommen hat, wenn man laut geschrien hat. Das sind allerdings nur Hypothesen.”

Dr. Andreas Winkelmann, Leiter der Tagesklinik für Fibromyalgie, Klinikum der Universität München

Faktoren, die das Erkrankungs-Risiko erhöhen:

– Rauchen, Übergewicht, mangelnde körperliche Aktivität
– Körperliche Misshandlung (in der Kindheit oder im Erwachsenenalter)
– Sexueller Missbrauch (in der Kindheit oder im Erwachsenenalter)
– Stress am Arbeitsplatz
– entzündlich rheumatische Erkrankungen

Veränderte zentrale Schmerzverarbeitung

Wissenschaftler können Schmerzreize setzen und mittels funktionaler Bildgebung (Kernspin) feststellen, welche Hirnareale aktiv sind. Im Vergleich zu gesunden Menschen hat man festgestellt, dass bei chronischen Schmerzpatienten und Fibromyalgiepatienten bestimmte Hirnareale (frontaler Kortex) besonders aktiv sind. Ob diese Veränderungen allerdings Ursache oder Folge der Fibromyalgie sind, ist nicht nachgewiesen.

Veränderte periphere Nerven

Eine Veröffentlichung von 2013 beschrieb im Vergleich zu Gesunden und Depressions-Patienten ohne Schmerzen in vielen Regionen eine Verminderung temperaturleitender Nerven und damit eine verminderte Leistung, Temperaturunterschiede wahrzunehmen. Gegebenenfalls ist die Schwierigkeit vieler Fibromyalgie-Betroffener mit Koordination und Gleichgewicht auf Veränderungen peripherer Nerven zurückzuführen.

“Die gute Nachricht an Fibromyalgie-Betroffene: Regelmäßiges Training für Koordination und Gleichgewicht kann Schwierigkeiten auf einem Bein zu stehen bereits innerhalb von vier Wochen bessern.”

Dr. Andreas Winkelmann, Leiter der Tagesklinik für Fibromyalgie, Klinikum der Universität München

Gestörte zentrale Steuerung bzw. Regulation durch Hormone/Botenstoffe

Die Kontrollzentren im Gehirn, der Hypothalamus und die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) regulieren normalerweise die Hormonausschüttung in vielen Körperdrüsen. Es gibt Hinweise, dass bei der Fibromyalgie diese Kontrollsysteme nicht richtig funktionieren und dadurch Störungen im Gleichgewicht der Körperhormone, des Immunsystems und der chemischen Botenstoffe wie Dopamin und Serotonin entstehen. Das würde erklären, warum bei diesen Patienten oft eine übermäßige Empfindlichkeit gegenüber Sinnesreizen, vor allem von Schmerzreizen, besteht.

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