FIBROMYALGIE: LEBEN MIT 100 SYMPTOMEN

2 Prozent der Deutschen Bevölkerung sind an Fibromyalgie erkrankt.

2 Prozent der Deutschen Bevölkerung sind an Fibromyalgie erkrankt.

Fibromyalgie ist keine seltene Erkrankung. Bis zur Diagnose vergehen jedoch meist mehrere Jahre. Ein umfassendes Behandlungskonzept kann das unheilbare Leiden mit den vielen Krankheitszeichen deutlich erleichtern.

Etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland haben Fibromyalgie. Frauen sind mit rund 90 Prozent 9-mal häufiger von dem „Faser-Muskel-Schmerz“ betroffen als Männer. Der Beginn der Erkrankung liegt meist gegen Ende 20 bis Mitte 30.

Schleichender Krankheitsverlauf

Oft bleibt der Krankheitsbeginn durch unspezifische Symptome wie Müdigkeit und Magen-Darm-Beschwerden relativ unauffällig. Bis zum Vollbild der Fibromyalgie vergehen durchschnittlich 8 Jahre. Auch ein plötzlicher Ausbruch, besonders nach Infekten wie Grippe oder nach Stresssituationen, ist möglich. Generell ist der Verlauf weder kontinuierlich noch einem bestimmten Muster (zum Beispiel in charakteristischen Schüben) folgend.

Die chronische Krankheit Fibromyalgie zeigt keine Schädigungen in Organen und Geweben – somit ist der medizinische Nachweis per Labor oder Röntgenbild nicht möglich und eine entsprechende Diagnose erschwert. Viele Patienten haben einen langen Leidensweg und Ärztemarathon hinter sich. Nicht selten werden Betroffene als hypochondrisch oder simulierend abgestempelt. Neue Erkenntnisse in der Forschung lassen jedoch immer mehr auf organische Ursachen schließen.

Krankheitszeichen der Fibromyalgie

Es sind weit über 100 Symptome der Fibromyalgie gelistet, die auch für viele andere Erkrankungen bekannt sind und so die Festellbarkeit erschweren. Wichtigstes Erkennungsmerkmal ist das Auftreten allgemeiner Muskelschmerzen und tastbarer Schmerzpunkte: sogenannte „Tender Points“. Die Druckpunkte befinden sich an bestimmten Muskel-Sehnenübergängen, wie zum Beispiel an Rücken, Hüfte und Schulter.

Schmerzende Muskeln und Gelenke.Die Schmerzen können je nachdem als brennend, dumpf oder bohrend empfunden werden. Eine morgendliche Gelenksteifheit sowie angeschwollene Fingergelenke sind ebenfalls bezeichnend.

Als Beobachtungsregel gilt: Leidet ein Patient an Dauer- und Ruheschmerz in mindestens 3 Körperregionen über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten mit schmerzhaften Druckpunkten, kann das auf eine Fibromyalgie hindeuten. Die Schmerzbereiche können ständig wechseln.

Weitere (mögliche) Symptome sind Schlafstörungen, Erschöpfung, Depressionen, nebelartige Benommenheit („fibro fog“), Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis, Spannungskopfschmerz sowie das Karpaltunnel-Syndrom (Nerveneinengung im Handgelenk).

Eine allgemeine Reizbarkeit der Nerven ist möglich und äußert sich in Überempfindlichkeit der Haut auf Kälte, Hitze und Druck. Auch das Geruchs- und das Lärmempfinden sind erhöht.

Magen- und Darmbeschwerden mit Blähungen, Bauchschmerzen, Sodbrennen, Durchfall und Verstopfung gehören ebenso zu den vielseitigen Begleitsymptomen. Genau wie starke Menstruationsbeschwerden, unruhige Beine, Kloßgefühl im Hals, Zahnschmerzen, Wetterfühligkeit und vermehrtes Schwitzen etc.

Ursachen der Fibromyalgie

Die genauen Quellen für das Entstehen einer Fibromyalgie sind bislang nicht geklärt. Das ist insbesondere bei der primären Form der Fall. Diese wird häufig innerhalb von Familien vererbt. Die sekundäre Fibromyalgie tritt hingegen in Folge einer vorhergehenden Erkrankung auf. Das kann eine Operation oder Verletzung sein, aber auch seelische und körperliche Traumata, wie sie durch Misshandlungen geschehen, können Voraussetzungen einer Fibromyalgie sein. Ein ständiger Schmerzreiz kann die Empfindlichkeit der Nerven so weit steigern, dass der Schmerz auch ohne aktive Reizung fortbesteht.

Weiterhin kommen hormonelle und neurophysiologische Faktoren in Frage. Beispielsweise wurde ein Mangel des Neurotransmitters Serotonin bei den Patienten festgestellt, das für die Schmerzverarbeitung und Schlafregulation verantwortlich ist. Hingegen wird das Neurotransmitter Substanz P, welches den Schmerz  von der betroffenen Stelle an das Gehirn weiterleitet, vermehrt ausgeschüttet. Auch konnte ein abnorm niedriger Cortisol-Spiegel im Blut vieler Erkrankter gezeigt werden sowie eine gestörte Bildung des Wachstumshormons Somatotropin.

Neuste Studien der Bayerischen Julius-Maximilians-Universität Würzburg deuten auf eine Störung der nicht-myelinisierten C-Fasern hin. Diese Nervenfasern sind für die Schmerzwahrnehmung verantwortlich. Womöglich hängt das starke Heiß-Kalt-Empfinden ebenfalls damit zusammen. Mehr dazu auf der Homepage der Deutschen Fibromyalgie-Vereinigung (DFV).

Fibromyalgie-Patienten haben oft einen hohen Leistungsanspruch an sich selbst. Bei solchen Persönlichkeiten kann eine berufliche oder familiäre Überforderung zu inneren und äußeren Verspannungen führen. Meist kommt hinzu, dass die Betroffenen nicht mehr aktiv am Berufsleben teilhaben können. Das zieht soziale Isolation, Ängstlichkeit und auch massive finanzielle Probleme mit sich. Das reduzierte Selbstwertgefühl mündet vermehrt in starken Depressionen. Das persönliche Umfeld des an Fibromyalgie Erkrankten kann die Leiden oft schwer nachvollziehen, da es keine äußerlichen Anzeichen gibt.

Multimodale Therapie für Fibromyalgie-Patienten

Fibromyalgie ist nicht heilbar. Die Krankheit belastet den Patienten mit zahlreichen Symptomen und Folgen – sowohl physisch als auch psychisch. Daher muss das Behandlungskonzept allumfassend sein. Gefragt sind Rheumatologen, Physio- und Psychotherapeuten:

Ein spezielles Medikament zur Behandlung von Fibromyalgie gibt es bislang nicht. Opiat-haltige Schmerzmittel haben sich jedoch bewährt. Antidepressiva helfen den Patienten besonders bei ihren Schlafstörungen und wirken stimmungsaufhellend.

Das Herz-Kreislauf-System sollte bei den Betroffenen durch ein leichtes Ausdauertraining stabilisiert werden. Geeignet sind unter anderem Walking, Radfahren und Schwimmen, um die Dauermüdigkeit zu kontrollieren. Krankengymnastik stärkt den durch die ständige Anspannung entstandenen gestörten Bewegungsapparat. Thermalbäder und weitere Wärmebehandlungen wie Fango sind gut geeignet zur Entspannung. Massagen hingegen nicht.

Hinsichtlich der Ernährung hat sich die (teilweise) Umstellung auf vegane Rohkost sehr bewährt, um die Symptome zu verringern.

Psychologische Unterstützung in Form von Verhaltenstherapien und Fibromyalgie Selbsthilfegruppen werden dringend empfohlen.

Besser Leben mit Fibromyalgie

Ausgangspunkt der Schmerzsymptomatik können vorangegangene Schmerzen sein, die trotz Heilung weiterbestehen. Deshalb ist es wichtig, ein modernes Schmerz-Management durchzuführen, um eine chronische Schmerzentwicklung zu vermeiden. Die Patienten dürfen nicht allein gelassen werden mit ihren Leiden und erhalten eine individuelle medikamentöse und nicht-medikamentöse Schmerztherapie.

Yoga in jeglicher Form lindert die Leiden.

Stressabbau und Vermeidung von Überlastung ist bei Fibromyalgie besonders essentiell, um Krankheitsschübe zu verringern. Sowohl positiver als auch negativer Stress gefährdet die Stabilität der Betroffenen. Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Meditation und Yoga sind zu empfehlen. Letzteres hat sich im Zusammenhang mit Fibromyalgie bewährt. Die Krankheit kann durch die Meditation besser verarbeitet werden und die Schmerzen werden durch die Übungen gelindert.

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